Internetzensur made in Germany
Zensur des Internets schreibt man ja in der Regel eher totalitären Systemen zu, China ist da ein recht passendes Beispiel.
Demokratien zensieren nicht, in demokratisch geführten Systemen herrscht Meinungsfreiheit und auch eine Zensur der Medien oder des Internets gibt es nicht. Wirklich?
Nachdem gestern bwin (ehemals betandwin) untersagt wurde, in Deutschland Sportwetten anzubieten, sind nun vermehrt Stimmen zu vernehmen, die Sperrungsverfügungen gegen die Seiten von Wettanbietern fordern.
Derartige Sperrungsverfügungen wurden bislang in erster Linie gegen rechtsradikale Internetseiten verhängt, die mangelnde Wirksamkeit derartiger Massnahmen will ich jetzt bewusst komplett ausser Betracht lassen. Im Fall der Wettanbieter soll nun jedoch eine Zensur stattfinden, um ein staatliches Monopol zu sichern. Mit anderen Worten: Um eine staatliche Einnahmequelle auch weiterhin so sprudeln zu lassen wie sie es in der Vergangenheit tat, soll soll der Zugriff auf Seiten konkurierender Anbieter im Ausland mittels technischer Massnahmen verhindert werden.
Hier erkenne ich sehr deutliche Parallelen zu totalitären Systemen, von Demokratie kann hier in meinen Augen keine Rede sein. Der Staat untersagt seinen Bürgern die freie Wahl des Wettanbieters, um das eigene Monopol zu sichern. In Zeiten der Globalisierung eine Unmöglichkeit, das ist dem Staat offensichtlich bewusst. Ausländische Unternehmen drängen in den Markt, bieten vielfältigere Spielsysteme, höhere Gewinne. Die Einnahmen des deutschen Staates sinken, also greift man zu Mitteln wie Lizenzentzug und Zensur. Dies wird als “legitim” dargestellt und schöngeredet. Denn das alles dient ja nur dem Bürger, er wird so vor der Spielsucht geschützt. Und irgendwie auch ziemlich deutlich als unmündig dargestellt.
Und was kommt als nächstes? Die Sperrung von Seiten zur Pflanzenpflege? Weil diese ja auch für illegale Züchter in Deutschland nicht zugelassener Canabispflänzchen interessant sind?! Was auch immer, die Fantasie der verantwortlichen Personen scheint grenzenlos zu sein. Genau wie es eigentlich Europa sein sollte. Aber diese Idee endet ganz offensichtlich an den Staatsgrenzen. Armes Deutschland!
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4 Kommentare bisher »
























Twitter: konradMD
sagte am 11.08.2006 um 16:58
Naja. Vielleicht will der deutsche Staat auch einfach nur sein eh schon armes Volk vor der Spielsucht schützen … und wo ließe die sich besser ausleben als bei den live-Wetten von bWin … “Ach komm … nur einmal noch klicken”
Also ich find das gut
Twitter: XSized
sagte am 11.08.2006 um 19:09
Schützen durch Verbot? Spielhallen etc. werden auch nicht einfach geschlossen, da ist die Gefahr m.E. größer. Und nur ein Hinweis auf die mögliche Suchtgefahr bei staatlichen Gesellschaften…ist da der Schutz besser?
Der Spielsüchtige kann ebenso jederzeit in irgendeiner Annahmestelle nach Belieben Scheine ausfüllen, bis keine mehr da sind. Als Schutz würde ich das nicht bezeichnen, auch wenn exakt dieser Hinweis als Begründung vorgeschoben wird.
Ich bin sicher dass die überwiegende Mehrheit der geschäftsfähigen Menschen durchaus mündig genug ist, das selbst zu entscheiden. Es gibt auch jede Menge kaufsüchtige Menschen, sollen wir nun auch Internetshops blocken?
Twitter: konradMD
sagte am 13.08.2006 um 00:41
Wenn du so an die Sache gehst, dann ist “die überwiegende Mehrheit der geschäftsfähigen Menschen durchaus mündig genug” über den Kauf von Heroin entscheiden zu können. Warum erlauben wir es dann nicht und verkaufen es in normalen Läden?
Die Schwelle, einfach ein paar mal mehr bei live-Wetten im Netz auf irgendein Halbzeitergebniss zu tippen, ist wesentlich geringer, als ebensoviele Kreuze bei der Tippannahmestelle um die Ecke zu vorgegebenen Öffnungszeiten auf einen Papierzettel zu malen.
Twitter: XSized
sagte am 13.08.2006 um 01:43
Oh, das Beispiel mit dem Heroin zählt nur halb, Heroin ist prinzipiell verboten, Lotterien definitiv nicht!
Die Wetten muss man auch nicht zwingend in der Lottobude abschliessen (war ja auch nur ein Beispiel), die kann man ebenso online bei den staatlichen Lotterien ausfüllen. Sicherlich nicht in der Vielfalt, wie bei anderen Anbietern, das mag sein. Aber sie sind legal und werden sogar beworben (“15 Mio im Jackpot….”)!
Als illegal werden sie nur deklariert, wenn sie von einem anderen Anbieter als den staatlich organisierten angeboten werden. Da ist der Unterschied zu Deinem Beispiel. Der Schutz vor Spielsucht ist nur vorgeschoben und würde für mich ganz klar nur dann einen Sinn ergeben, wenn Lotterien gänzlich untersagt werden würden. Damit hätte ich auch kein Problem. Insofern sehe ich da definitiv die Sicherung des eigenen Monopols im Vordergrund als wirklich den Schutz der Bürger vor der Spielsucht.
Zudem: Das staatlich angeordnete blockieren oder verändern von Inhalten, aus welchem Grund auch immer, ist in jedem Fall Zensur. Und mögen die Gründe noch so logisch erscheinen und die Ziele noch so ritterlich sein, es bleibt dennoch Zensur. Und das kann ich persönlich nicht gutheissen, auch wenn es bislang in erster Linie Seiten betraf, die ich selbst als den allerletzten und widerlichsten Müll des Internets ansehe.