Spam-Flut auf Weblogs als DDOS
Gestern haben wir bemerkt, dass einer unserer Webserver mehr als träge auf Anfragen reagierte und zum Teil nicht mehr antwortete. Eine Analyse der Logs zeigte mir irgendwann: der Server wurde mit tausenden von Anfragen auf mein altes Weblog bombardiert. Es handelte sich dabei um HTTP-POSTs auf die Dateien wp-comments-post.php und wp-trackback.php.
Mein altes Blog habe ich irgendwann einmal umgestellt, Kommentare, sofern noch welche ankamen, landeten in der Moderationsschleife. Und diese war gestern abend ca. 260.000 Einträge groß!
Da ein Restart des Serverdienstes nur für ca. 2min Entspannung brachte, habe ich weiter analysiert. Die Anfragen kamen von extrem vielen unterschiedlichen IP-Adressen, insofern kam eine Sperrung dieser Adressen nicht in Frage. Deshalb hab ich es zunächst leicht angesäuert mit einer kleinen Gemeinheit versucht und Anfragen auf die beiden Dateien in der .htaccess per 301-Redirect auf den Host 127.0.0.1 umgeleitet. Ergebnis: Keins. Des Spam-Tool schickt offenbar seine POSTs ab, ohne sich um eine Antwort zu kümmern. Wurde der HTTP-Request abgeschickt, war es das, das Tool interessiert sich nicht dafür, ob und wie der Webserver darauf antwortet. Demzufolge brachte auch eine Umbenennung der beiden Dateien garnichts. Die Anfragen kamen weiterhin zu tausenden hinein und blockierten den Server.
Letzten Endes half dann nur noch eine einzige Maßnahme: Wir haben auf der Firewall einen Filter eingerichtet, der für die URL meines alten Blogs Zugriffe auf wp-comments-post.php und wp-trackback.php blockiert. Seitdem herrscht Ruhe, zumindest hinter der Firewall.
Diese Maßnahme konnte ich ergreifen, weil mir reichlich egal ist, ob in dem alten Blog noch Kommentare und Trackbacks eingehen. Es ist einfach nur noch da, aber nicht mehr wirklich aktiv. Für aktive Blogs ist diese Maßnahme so nicht denkbar, Kommentare oder Trackbacks wären nicht mehr möglich. Hier hilft dann nur ein etwas tieferer Eingriff: die Dateien wp-comments-post.php und wp-trackback.php müssen umbenannt werden und Aufrufe dieser beiden Dateien im WordPress-Code entsprechend angepasst werden. Wenn ich etwas Zeit habe, werde ich diese Anpassungen vornehmen und die geänderten Dateien dann hier zum Download anbieten. Dann dürfte zumindest für einige Zeit Ruhe sein – bis die Spammer ihre Tools entsprechend angepasst haben.
Für mich handelt es sich hier um eine vollkommen neue Qualität von Kommentarspam, in diesem Umfang hab ich es bisher noch nie erlebt und damit stehe ich nicht allein da. In der Größenordnung, wie hier dem Server die Requests um die Ohren gehauen werden – da wird wohl so ziemlich jedes System über kurz oder lang das Handtuch werfen. Den Spammern ist das vollkommen egal, es interessiert sie nicht, ob die Zieldateien überhaupt vorhanden sind oder ob es Umleitung gibt etc., ihre Bot-Netzwerke ballern die HTTP-Requests einfach hinaus und fertig. Es ist den Spammern auch vollkommen egal, ob die Einträge überhaupt in irgendeiner Form auf den betroffenen Blogs auftauchen. Bei der Masse, die hier ins Netz geblasen wird, wird sicher das eine oder andere “tote” System dabei sein, welches die zigtausend Einträge einfach veröffentlicht und somit die gewünschten Backlinks produziert. Insofern scheint mir im Augenblick die oben beschriebene Maßnahme der einzig gangbare Weg zu sein, um die Webserver zu entlasten und diesen Spam wirkungsvoll zu filtern.
Sollte dieser Trend so anhalten, dann ist es für mich ohnehin auch nur noch eine Frage der Zeit bis die ersten Provider beginnen, Requests auf diese Dateien zu filtern, um ihre Server zu schützen.
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5 Kommentare bisher »
Trackbacks/Pingbacks
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Krieg der Spammer…
Spammer nerven – das ist nichts neues. Aber derzeit scheinen sie Krieg zu führen und dabei besonders die Weblogs im Visier zu haben. Weil Server hoffnungslos mit DDOS-Attacken überlastet werden, hat zum Beispiel Metty seine Kommentarfunktion komplet…
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wp-comments-post.php umbenennen…
XSized hat mich da auf eine “Idee” gebracht und da mir der Zustand so keine Ruhe gelassen hat habe ich mich mal eben auf die Suche gemacht.
Die wp-comments-post.php wird im Normalfall an sage und schreibe EINER Stelle bei WP aufgerufen.
Nä…
























Hey, bei mir auch.
Ich habe, ums abzustellen, erstmal die wp-comments-post.php umbenannt.
Und derzeit kommen keinerlei Anfragen aber ich vermute sie kommen wieder und auch wenn sie ins Leere verlaufen, sie machen Last.
Waren sie bei dir auch mit dem UA?
http://www.discobeats.de/...pam-no-comments-possible/
Wäre echt super wenn Du einen “Workaround” zum ändern der wp-comments-post.php schreiben könntest.
Die wp-trackback.php wird wohl nicht so einfach sein, weil andere Blogs doch genau das erwarten beim Trackbacken, oder sehe ich das gerade falsch?
Gruss Metty
Twitter: XSized
sagte am 14.12.2006 um 14:33
Ich weiss nicht zu 100%, wie WordPress das im exakt handhabt. Hatte mir das zwar irgendwann schon mal angeschaut, kann es aber im Augenblick nicht wirklich sagen. Muss das definitiv noch einmal prüfen.
Mir schwebt ein Plugin vor, was die ganze Sache für den Blogbetreiber einfach machen würde. Aber: Die Last vom Server nimmt das nicht, zumindest nicht komplett. Sind die Dateien nicht mehr unter diesem Namen erreichbar, dann wird der Webserver immer noch ein 404 zurückliefern müssen. Zudem bleiben die massiven Anfragen nach wie vor an der Maschine hängen und zwingen sie unter Umständen trotzdem in die Knie.
Das lässt sich eben nur verhindern, wenn man diese Anfragen wirkungsvoll VOR dem Server abfangen kann. Wie in meinem Fall: Filter auf den Content in der Firewall und die Idioten bleiben draussen. Dann noch die Anpassung der Dateinamen und die Funktionalität ist wieder gegeben. Nur: Wer hat schon wie ich die Möglichkeit, mal eben an der Firewall des Providers derartige Änderungen vornehmen zu lassen…
Twitter: XSized
sagte am 14.12.2006 um 14:40
@Metty: Ja, das ist der gleiche UA. Hab hier so im Schnitt 100-250 Anfragen pro Sekunde gesehen. Zumindest als ich gestern grad drauf schaute…