Propaganda: 1 Mathe: 6

Natürlich hat Winnenden wieder zu der ach so typische Diskussion um Computerspiele geführt. Reflexartik werden altbekannte Parolen aus den Schreibtischen gekramt und der Welt um die Ohren gehauen. Aber nicht allein Killerspiele sind ein Thema, nein, auch die Computerspielsucht wird ausgerechnet jetzt in die Debatte eingestreut.

Wirklich dumm ist dann allerdings, wenn ausgerechnet diejenigen, die derartige Studien verfassen, offenbar selbst in der Schule nicht so ganz aufgepasst haben:

Der Kriminologe Pfeiffer schätzte die Gesamtzahl der Computerspiel-abhängigen Jugendlichen auf 50.000 bis 60.000 deutschlandweit. 15-jährige männliche «World of Warcraft»-Spieler würden im Schnitt täglich 3,9 Stunden mit dem Spiel verbringen. Damit würden sie mehr Zeit in das Spiel als in ihren gesamten Schulunterricht investieren.” (Hervorhebung durch mich)

Nun, ein 15-jähriger Schüler besucht in der Regel die 9. Klasse. In der Regel haben Neuntklässler am Tag mindestens 6 Stunden Unterricht (in den meisten Fällen mehr). Eine Unterrichtsstunde ist meines Wissens immer noch 45 Minuten lang. Macht also mindestens 4,5h Unterricht pro Tag. Nicht gerechnet ist die Zeit, die für Hausaufgaben drauf geht.

Angesichts solcher grundlegenden Fehler sind für mich automatisch alle anderen Zahlen innerhalb eines solchen Pamphlets vollkommen unglaubwürdig.

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3 Kommentare bisher »

  1. Wer Studien zu Computerspielen verfasst, sollte zumindest mathematisch halbwegs fit sein: http://is.gd/nFmt

  2. Wenn du die Schulstunden auf 7 Tage umrechnest, dann kommst du auf 3,2 Stunden pro Tag für die Schule. So gesehn stimmt die Rechnung also (was nicht heißt, dass es Sinn macht, was der Kerl sagt)

  3. XSized
    Twitter:
    sagte am 17.03.2009 um 11:32

    Wenn man dann wieder in Betracht zieht, dass die meisten Schüler in diesem Alter sicherlich mehr als die angegebenen 6 Schulstunden haben und zudem noch die Zeit zur Erledigung der Hausaufgaben hinzu rechnet, dreht sich das Blatt schon wieder.

    Genau deshalb finde ich derartige Studien nicht im Ansatz aussagekräftig. Die Zahlen lassen sich IMMER exakt so drehen, dass das gewünschte Ergebnis zustande kommt. Sicherlich lassen sich anhand von Studien Tendenzen aufzeigen, mehr aber nicht. Die Seriosität von Studien, in denen von Schätzungen die Rede ist, zweifle ich ohnehin an.

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