Archiv für nervend

Dad (12.4.1947 – 5.8.2010)

Der Anruf kam kurz nach 7 und erwischte mich im Bett und auch noch eiskalt: Vati ist vorhin gestorben.

Wenn man so etwas hört, geht einem alles mögliche durch den Kopf. Und gleichzeitig nichts. Mein erster Gedanke war “Was soll der Unsinn, so einen Scheiß erzählt man doch nicht.” Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich realisiert habe, was los ist. Und genau genommen hab ich es eigentlich bis jetzt noch nicht realisiert. Es dauert sicher noch Tage, Wochen, möglicherweise noch länger, bis ich es wirklich begriffen habe. Bis heute habe ich gebraucht, um wieder ein paar halbwegs klare Gedanken fassen zu können.

Es kam genau so, wie man es manchmal in Todesanzeigen liest: plötzlich und unerwartet. Es war geplant, jetzt in meinem Urlaub für eine Woche mit Sohnemann meine Eltern zu besuchen. Vergangenen Donnerstag wollte ich die Einzelheiten mit meinen Eltern besprechen, daraus wurde nichts mehr. Donnerstag Morgen ist er gestorben.

Mein Vater war krank, schon solange ich denken kann. Seit vielen Jahren bereits an den Rollstuhl gebunden, seit ein paar Jahren Dialyse, das volle Programm. Und viele andere Kleinigkeiten, die ihm immer wieder zu schaffen machten. Und dennoch immer unternehmungslustig. Hätte oft gern mehr getan, als unter diesen Umständen möglich.

Meine künstlerische Ader habe ich von ihm, wenn ich auch nie in der Lage war, so wie er zu malen oder zu zeichnen. Als mein Bruder und ich noch Kinder waren, hat er uns aus dem Krankenhaus manchmal selbst gezeichnete Comics geschickt, mit Strichmännchen, die genau den Blödsinn machten, den mein Bruder und ich zuvor veranstaltet hatten. Auch den Humor habe ich von ihm, wenn er auch nie ganz so ein Spinner war, wie ich es bin. Als mein Bruder ihn einmal vor Jahren mit dem Rollstuhl gegen einen Bordstein schob und mein Vater daraufhin der Länge nach auf dem Bürgersteig landete, lachte er sich schlapp, während die Passanten um ihn herum ganz aufgeregt und besorgt herum wuselten.

Obwohl mein Vater lange krank war, war sein Herz immer in Ordnung. Und genau das hat am vergangenen Donnerstag einfach aufgehört zu schlagen. Von einer Minute auf die andere war es vorbei. Und das hinterlässt eine Leere, die man sich vorher nie vorstellen konnte. Mir fehlen immer noch die Worte um zu beschreiben, wie sich das anfühlt. Es gelingt nicht mal ansatzweise. Auch nicht mit ein paar Tagen Abstand.

So vieles geht einem durch den Kopf, was man wann hätte anders machen sollen, dass man doch das eine oder andere Mal mehr hätte anrufen sollen, dass man vielleicht doch einmal mehr hätte hinfahren sollen… Und doch nützt es nichts mehr. Mein Vater ist tot. Und irgendwie muss ich es aufschreiben, weil mir sonst der Kopf platzt. Und trotzdem finde ich nicht die Worte, die ich schreiben will.

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Junge Union Berlin wünscht sich Verbot von Pornografie

Es gibt wirklich eine Menge Themen, die politisch diskutiert werden sollten und bei denen sich junge Menschen gern einmischen sollten. Die Junge Union Berlin allerdings schafft es wieder einmal, mit einer Pressemitteilung eine Sinnlos-Diskussion anzuzetteln und zeigt, wie weit weg man selbst in jungen Jahren von wirklich wichtigen Themen sein kann.

Es ist völlig unverständlich wie viele Politikerinnen und Politiker (auch der CDU/CSU) tatenlos bleiben. Anstatt mit aller Macht nach technischen Lösungen für die Eindämmung der Pornografie zu suchen, wird über die Meinungsfreiheit und Zensurfragen philosophiert. Dazu passt, dass eine interne BKA-Studie, die der Zeitung „Die Welt“ vorliegt, aufzeigt wie überfordert das BKA mit den derzeitigen Regelungen ist. Die Löschungsbemühungen bei Kinderpornografie-Inhalten bleiben völlig wirkungslos. Die Maxime „Löschen statt Sperren“ scheint nicht zu wirken. Wir haben als Junge Union auch lange gesagt, dass Sperrungen nutzlos, kontraproduktiv und zudem relativ leicht zu umgehen sind. Aber das Gleiche scheint für die Löschungsversuche zu gelten. Ein Umdenken muss her. Wir brauchen die Sperrung von kinderpornografischen Inhalten, wir fordern die Einrichtung wirksamer Altersbeschränkungen gegen die Porno-Welle aus dem Internet, wir fordern Aufklärungsprogramme für Eltern und Kinder. Ziel muss ein effektives Pornografieverbot für Jugendliche im Internet sein.

Es ist per se schon mal ein starkes Stück, legale Erwachsenen-Pornografie in einer Pressemitteilung gemeinsam mit Bildern und Filmen von Kindesmissbrauch zu nennen und das eine mit dem anderen zu verbinden, das disqualifiziert automatisch. Dazu beruft man sich noch auf eine angebliche Studie des BKA, bei der es sich in Wirklichkeit um eine simple Statistik handelt.

Auf den Punkt gebracht lautet die Kernaussage der Pressemitteilung:

Wir haben schon immer gesagt, dass Sperren nichts bringen. Das BKA kriegt es aber nicht auf die Reihe, Inhalte löschen zu lassen, deshalb sollten wir lieber eine völlig unwirksame Methode zurückgreifen und doch sperren. Und wenn wir grad dabei sind, kann gleich die ganze schmutzige Pornografie weg.

Liebe Kids der jungen Union Berlin. Es ist löblich, dass ihr etwas bewegen und Euch deshalb in die Politik einmischen wollt. Aber wie wärs, wenn ihr euch mal wichtigen Themen widmet statt euch vor den Karren des BKA spannen zu lassen und dabei noch den Versuch zu unternehmen, Erwachsene bevormunden zu wollen? Wer solch reaktionären Unfug verbreitet und sich damit auf die Stufe so mancher Gottesstaaten stellt muss sich nicht wundern, wenn er nicht ernst genommen wird. Und wer legale Pornografie auf die gleiche Stufe stellt wie die Dokumentation von Kindesmissbrauch, der hat in meinen Augen definitiv den Schuss nicht gehört. Ganz abgesehen davon, dass eure logischen Schlussfolgerungen ein klein wenig verquer sind. Und noch eine wichtige Erkenntnis für Euch: Selbstbefriedigung sorgt definitiv nicht für Rückenmarkschwund. Ist wissenschaftlich erwiesen, nur vielleicht noch nicht bis zu euch vorgedrungen. Und Sex macht Spaß. Auch außerhalb der Ehe. Probiert es mal aus.

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Mein Beitrag zur Gesundheitsreform

Alle paar Jahre erleben wir hierzulande regelmäßig eine Aktion der jeweiligen Regierung, die von den Tätern gern als “Gesundheitsreform” bezeichnet wird. Sobald das Thema wieder einmal auf den Tisch kommt, weiß allerdings bereits vorab eigentlich jeder, worauf es hinaus laufen wird: Leistungen werden gekürzt und Beiträge werden erhöht.

So auch (selbstverständlich) in der aktuellen “Gesundheitsreform”. Die Beiträge werden von 14,9 auf 15,5% erhöht. Zudem können Krankenkassen die Zusatzbeiträge, die bislang maximal 1% des Bruttoeinkommens betragen durften, nun frei festlegen, eine Deckelung gibt es nicht mehr. Sollten diese Zusatzbeiträge über 2% des Bruttoeinkommens betragen, soll irgend eine steuerliche Erleichterung erfunden werden, Details hierzu gibt es allerdings noch keine.

Wer sich fragt, was diese Zusatzbeiträge sollen, wird schnell dahinter kommen, wenn er sich die Aufteilung der Beiträge anschaut: die 15,5% Beitrag werden sowohl vom Arbeitgeber (8,2%) als auch vom Arbeitnehmer (7,3%) getragen. Zusatzbeiträge allerdings gehen allein zu Lasten des Versicherten. Bevor also eine Erhöhung der eigentlichen Beiträge erforderlich wäre (was Versicherte und Wirtschaft gleichermaßen belastet), können die Krankenversicherungen nun erst einmal durch Zusatzbeiträge die Versicherten selbst zur Kasse bitten. Der zu erwartende Widerstand dürfte also weitaus geringer ausfallen…

Die so genannte “Gesundheitsreform” geht selbstverständlich wieder einmal mit Leistungskürzungen einher, aktuell ist bekannt, dass homöopathische Behandlungen und Medikamente am besten nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden sollen. Über Sinn und Unsinn von Homöopathie wird nach wie vor energisch gestritten, letztlich scheint mir das in erster Linie eine religiös ausgeprägte Diskussion zu sein. Einsparungspotential dieser Maßnahme? Unbekannt. Von ein paar Millionen Euro ist die Rede, genaue Zahlen konnte ich leider nicht finden.

Überhaupt ist es schwierig, echte und aktuelle Zahlen zu finden. Mich persönlich interessierte zum Beispiel mal, wie viel die Krankenkassen in Deutschland einnehmen und wofür das Geld ausgegeben wird. Eine Quelle konnte ich aufstöbern, allerdings nur Zahlen bis zum Jahr 2007 finden. Nachfolgend mal ein Screenshot.

Was mir als erstes aufgefallen ist: Die Verwaltungskosten der Krankenkassen machen den viert größten Posten aus (8,13 Mrd. Euro in 2007). An erster Stelle stehen die Krankenhausbehandlungen, gefolgt von den Ausgaben für Medikamente. Und gerade Punkt 2 bietet eine Menge Einsparungspotential, auf die ausufernden Kosten bei den Arzneimitteln wird schon seit Jahren hingewiesen. Da wäre zum Beispiel die Frage, weshalb für Medikamente im Gegensatz zu Lebensmitteln nicht 7 sondern 19% Mehrwertsteuer abzuführen sind. Einsparungspotential 2,5-3Mrd. Euro jährlich. Jedenfalls für die Krankenkassen.

Einsparungspotential gibt es hier aber auch in anderer Hinsicht: Medikamente sind in Deutschland in der Regel wesentlich teurer als beispielsweise im europäischen Ausland. In manchen Fällen wird sogar von 2-3fachen Preisen gesprochen, was sicher nicht die Regel ist, aber oft vorkommt. Die auffallend höheren Preise in Deutschland sind darauf zurück zu führen, dass die Pharmaunternehmen die Preise für ihre Produkte hierzulande frei festlegen können, was in anderen Ländern so nicht möglich ist. Als Änderungsvorschlag ist im Gespräch, hier Verhandlungen zwischen Kassen und Pharmaunternehmen vorzuschreiben und eine freie Preisgestaltung nur dann zu gestatten, wenn die Verhandlungen scheitern. Wer glaubt daran, dass unter solch einem Vorzeichen erfolgreiche Verhandlungen möglich sind, hm?

Verschiedentlich ist auch zu lesen, dass die Verschlechterung der finanziellen Situation der Krankenkassen (die im Jahr 2009 1,4 Mrd. Euro Überschüsse erwirtschaftet haben) vordergründig auf schlichte Preiserhöhungen zurück zu führen seien. Von 6 Mrd. Euro in 6 Monaten ist die Rede (wofür ich aber keine belastbaren Zahlen finden konnte).

Fakt ist: Das Gesundheitswesen ist ein Selbstbedienungsladen, die Kosten dafür zahlen wir. Die Qualität (und auch der Umfang) dessen, was man für die zu zahlenden Beiträge erwarten kann, sinkt seit Jahren beständig, die Preise hingegen steigen unaufhörlich. Medikamentenzuzahlungen, Praxisgebühr, Zusatzgebühren… ein Ende ist nicht in Sicht. Es gäbe verdammt viele Punkte, an denen man ansetzen könnte (von denen ich hier nur ein paar genannt habe), wenn man es denn tatsächlich wollte. Dann käme vielleicht auch tatsächlich mal so etwas wie eine Reform dabei heraus.

Das, was jetzt “Gesundheitsreform” genannt wird, ist hingegen nicht einmal ein Reförmchen. Es ist, um es mal ganz nett und vorsichtig zu formulieren, Verarsche.

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Blizzard macht den Rückzieher

Nachdem Blizzards Idee, in den Foren nur noch Realnamen zuzulassen auf harsche Kritik in der Community gestoßen ist (allein im deutschen Forum über 600 Seiten mit überwiegend sehr kritischen Antworten), macht Blizzard nun den Rückzieher.

Mike Morhaime, CEO und Mitgründer von Blizzard, schreibt in einem offenen Brief:

“Ich möchte mit euch allen über unseren Wunsch sprechen, die Blizzard-Foren zu einem besseren Ort für Diskussionen über unsere Spiele zu machen. Wir sind kontinuierlich durch euer Feedback gegangen und haben untereinander eure Bedenken bezüglich der Nutzung realer Namen in den Foren besprochen. Wir haben zu diesem Zeitpunkt entschieden, dass es nicht nötig sein wird, reale Namen für das Verfassen von Beiträgen in den offiziellen Blizzard-Foren zu nutzen.”

Nun, die Bedenken der Community wurden offensichtlich einmal ernst genommen. Und sicherlich wird der Hinweis, was man so alles über Blizzard-Mitarbeiter im Netz finden kann, wenn man denn ihren richtigen Namen kennt, hier bei der Entscheidungsfindung keinen geringen Anteil gehabt haben. Neben der Tatsache, dass es wenig Sinn für ein Unternehmen macht, so eine große Zahl der Menschen gegen sich aufzubringen, die einem letztlich das Gehalt zahlen.

Was bleiben wird ist die RealID, der richtige Name jedes Spielers wird also weiterhin Freunden und deren Freunden im Battle.net angezeigt und nach wie vor ist nicht vermeidbar, dass Freunde und deren Freunde über jede Eurer Aktionen in einem Blizzard-Spiel genauestens informiert sind. Hier ist meiner Meinung nach definitiv ein OptIn-Verfahren erforderlich. Ich will selbst entscheiden, ob Freunde meiner Freunde erfahren dürfen, wer ich bin und ich will selbst entscheiden, ob jemand wissen soll, was ich wann in welchem Spiel tue.

Es ist also nicht komplett ausgestanden, das war lediglich ein Teilerfolg, wenn auch ein wichtiger. Und das obwohl “zu diesem Zeitpunkt” durchaus danach klingt, als wolle man sich diese Option offen halten.

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