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Was Google kann können wir schon lange: Buugle

Google Streetview hat hierzulande für heftige Diskussionen gesorgt, zunächst angefeuert von den Medien, anschließend ausgeschlachtet von „unseren“ Politikern. Wenn man sich an den Ursprung dieser Diskussionen zurück erinnert (eine Gemeinde wollte von Google Geld dafür erhalten, dass die Gebäude abgelichtet werden dürfen. Das rief wiederum die Hausbesitzer auf den Plan, die sich laut fragten, weshalb die Gemeinde das Geld erhalten solle, wenn es doch ihre Häuser sind. Das Geld stünde eigentlich ihnen zu. Das griff die Presse auf und plötzlich kamen auch Datenschutzbedenken auf, da Journalisten plötzlich gezielt danach fragten), wirkt der Hickhack schon mal per se relativ lächerlich.

Denkt man nun darüber nach, wo unsere Behörden überall Daten über uns sammeln und diese sogar aufgrund der Entscheidungen unserer Regierung fleißig an andere liefern, dann kann man angesichts der scheinheiligen „Proteste“ gegen Streetview nur sehr schwer den Brechreiz unterdrücken.

Alexander Lehmann (der Macher von „Du bist Terrorist„) hat daraus nun wieder ein schönes Filmchen gemacht. Der Titel: Buugle – Was Google kann können wir schon lange!

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Tote auf der Loveparade 2010 (Update)

(Hinweis: Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.)

Als ich es vorhin im Autoradio hörte konnte ich es erst mal nicht glauben: Auf der Loveparade in Duisburg kam es in einem Tunnel, der als Eingang zum Veranstaltungsgelände diente, zu einer Massenpanik, bei der (nach aktuellen Informationen) 15 Menschen starben und 45 verletzt wurden.

Es gibt inzwischen eine Notrufnummer für Angehörige, wie unter anderem DerWesten via Twitter mitteilte: 0203 94000.

Ich hatte mich in den vergangenen Tagen durchaus schon etwas gewundert, dass die Loveparade in diesem Jahr auf einem abgeschlossenen Gelände stattfinden soll, zumal das Gelände maximal 400.000 bis 500.000 Besucher aufnehmen kann. Dass dann auch noch nur ein einziger Zugang in Form dieses Tunnels existiert, finde ich unverantwortlich und das mussten nun einige Raver mit dem Leben bezahlen.

Schade, dass diese Veranstaltung ein solches Ende genommen hat, meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen. Die Party wird, während ich das schreibe, nun nach und nach aufgelöst und man versucht, die Besucher nun aus der Stadt zu befördern. Im Radio war vorhin die Rede davon, dass zunächst alles weiter lief, um keine weitere Panik zu provozieren und man nun die Fluchtwege und Notausgänge geöffnet hat.

http://www.youtube.com/watch?v=KyOiwxToQgo

Update: Inzwischen hat sich die Zahl der Opfer auf 18 erhöht. 16 Menschen starben vor Ort, 2 erlagen inzwischen leider ebenfalls ihren Verletzungen. Aktuell wird angenommen, dass die Panik ausgelöst wurde, als einige Besucher von einer eigentlich gesperrten Nottreppe abstürzten, über die sie versucht hatten, auf das Gelände zu gelangen.

Update 2: Leider gibt es einen weiteren Toten zu beklagen, die Zahl der Opfer erhöht sich somit auf 19. Verletzt wurden bei dem Unglück 342 Personen, inzwischen wird nach „den Schuldigen“ gesucht. Ich denke, hier kamen einige Umstände zusammen, die letztlich zur Katastrophe geführt haben: ein offensichtlich viel zu kleines Gelände, ein offenbar vollkommen ungeeigneter Zugang zum Gelände, die Reaktion einzelner auf unerträgliche Enge im Zugangsbereich… Menschenmassen sind nun mal nicht steuerbar, sie entwickeln eine Eigendynamik, die nicht mehr zu kontrollieren ist. Wenn es dann keine Ausweichmöglichkeiten mehr gibt (wie eben in einem Tunnel), passieren exakt diese Dinge.

Natürlich sind nach einem solchen Ereignis hinterher alle schlauer, jeder wusste vorher, dass das passieren musste und es gibt plötzlich viele Stimmen, die angeblich vorher gewarnt haben. In diesem Fall ist allerdings sicher: Es wurde definitiv vorher gewarnt und es gab viele, die entsprechende Befürchtungen geäußert haben. Man muss sich einfach nur mal die Kommentare unter diesem Artikel durchlesen (und dabei auch mal auf das Datum achten). Wer das Gelände kannte, sprach von „Wahnsinn“, dort die Loveparade durchführen zu wollen. Leider waren die Verantwortlichen nicht verantwortlich genug, um das ebenfalls zu erkennen.

Update 3: Ich habe das Video noch einmal ohne diesen unsäglichen Werbemist gefunden und es ausgetauscht. Anbei auch noch der Bericht eines Augenzeugen.

Das nächste Video vermittelt zumindest grob einen Eindruck, was im Bereich des Tunnels los war, welche Menschenmassen dort unterwegs waren.

Die Loveparade allerdings mit Sodom und Gomorrha zu vergleichen (Screenshot) und somit das Unglück indirekt mit einer Strafe Gottes gleich zu setzen finde ich wirklich erbärmlich, das hat mit Anstand wirklich nicht das geringste zu tun. (Update) Eine passende Antwort gibt es inzwischen ebenfalls an Frau Herman.

Update 4: Der Veranstalter der Loveparade hat offenbar bekannt gegeben, dass keine weitere Veranstaltung dieser Art mehr stattfinden wird. Das Unglück von gestern führte also zum endgültigen Aus für die Loveparade.

Update 5: Inzwischen gibt es jede Menge Berichte in der Presse, eine sehr ausführliche Zusammenfassung liefert das Pottblog. Inzwischen habe ich ein weiteres Video auf Youtube gefunden, in dem man sehr deutlich sehen kann, wie die Massen am Eingang zum Loveparade-Gelände zusammengepfercht waren und eigentlich nichts mehr ging. Einige Besucher ziehen hier eine junge Frau, die bereits bewusstlos war, aus dem Gedränge und retten sie über die Nottreppe.

(das bislang an dieser Stelle eingebundene Video wurde inzwischen bei Youtube gelöscht)

Inzwischen scheint sich zu bestätigen, was viele bereits vermuteten: Die Loveparade 2010 sollte im jeden Preis stattfinden. Oberbürgermeister Sauerland sagte offenbar zu Beginn der Veranstaltung:

“In diesem Jahr waren wir ja einfach in Zwang es hinkriegen zu müssen, sonst wäre die Loveparade endgültig gestorben gewesen für das Ruhrgebiet.”

Rücktrittsforderungen waren bereits mehrfach zu hören, Gerüchten zufolge hat Sauerland seinen Rücktritt bereits angekündigt. Leider wird das den Toten und Verletzten sowie deren Angehörigen nicht im geringsten helfen.

Das Innenministerium hatte übrigens im Vorfeld die Vorbereitungen noch explizit gelobt, die Meldung findet man jedoch nur noch im Google-Cache, auf der WebSite ist sie verschwunden. Eine lokale Kopie gibt es hier als Screenshot.

Im übrigen finde ich die Aussage, dass einige abstürzende Raver zur Massenpanik geführt hätten, extrem daneben. Gerade wenn man in den Videos sieht, wie die Besucher zwischen Betonwänden eingequetscht waren, was in den folgenden Videos deutlich zu erkennen ist.

Ich möchte übrigens noch anmerken dass ich hoffe, die Videos von Besuchern der Loveparade 2010 werden nicht bei Youtube gelöscht. Es sind m.E. wichtige Dokumente, die vielleicht zur Aufklärung beitragen können. Aus diesem Grund binde ich sie auch ein, damit man sich ein echtes Bild machen kann und nicht auf ein paar hingeworfene Aussagen der Verantwortlichen angewiesen ist. Beispielsweise ist für mich extrem unglaubwürdig, dass als einzige belastbare Zahl 105.000 Besucher genannt werden, die mit der Bahn angereist seien, wie gestern in der Pressekonferenz bekannt gegeben wurde. Zumal ich VOR dem Unglück noch im Radio die Berichte gehört habe, in denen stolz von ca. 1,4Mio Besuchern gesprochen wurde. Zudem sind die Amateuraufnahmen wichtig für die Aufklärung, da die Polizei erklärte, keine Videoaufnahmen gemacht zu haben. Allerdings gibt es Fotos, die etwas anderes aussagen.

Update 6: Im nächsten Video sieht man deutlich, wie ein Polizist Personen über die Nottreppe aus den Massen herausholt. In meinen Augen widerspricht das der Aussage, die man gestern und vorgestern wiederholt zu hören bekam, dass Besucher unerlaubt die Treppen gestürmt hätten.

http://www.youtube.com/watch?v=nrD6psTQ_jQ

Das Video zeigt klar, dass sich hier Menschen aus der unerträglichen Enge retten wollen, mit Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort.

Auf der Pressekonferenz wurde übrigens gesagt, das Veranstaltungsgelände wäre zu keinem Zeitpunkt voll gewesen und die Eingänge wären nicht gesperrt gewesen. Im Video klingt das etwas anders.

Update 7: Der Spiegel hatte gestern berichtet, bei der Bundespolizei wären sämtliche Unterlagen zur Veranstaltung (wie bspw. Einsatzdaten etc.) gelöscht worden.

Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wurden bei einer Dienststelle der Bundespolizei inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade – Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten – von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht. „Da kam sehr schnell der ganz große Staubsauger“, sagte ein Beamter, der sogar eine konzertierte „Vertuschungsaktion“ im Gang wähnt.

Erschien mir etwas unglaubwürdig, deshalb hatte ich nicht darauf verlinkt. Die Bundespolizei selbst dementierte rasch, inzwischen steht unter dem Spiegel-Artikel folgendes:

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, von Rechnern der Bundespolizei seien Unterlagen zur Love Parade gelöscht worden. Dies ist nach unseren Recherchen auch der Fall – in mindestens einer Dienststelle, aber nicht unbedingt flächendeckend bei der gesamten Bundespolizei. Wir bitten, die Ungenauigkeit zu entschuldigen.

Update 8: Noch schnell ein Link zu einem Augenzeugenbericht mit Schilderungen zu den Eindrücken bezüglich Organisation. Ein weiterer Bericht eines Augenzeugen spricht von Polizeiversagen, was man von außerhalb natürlich schwer beurteilen kann. Ein dritter Augenzeuge befand sich zum Zeitpunkt der Ereignisse mitten zwischen den Besuchern und konnte sich über den Container retten, der auf einigen Videos zu sehen ist (via).

Update 9: Es schneien immer mehr Besucher von Google herein, die nach den Namen der Toten suchen. Die wird man hier ganz sicher nicht finden und ich hoffe wirklich sehr, dass sich auch niemand sonst dazu hinreißen lässt, die Namen zu veröffentlichen. Das wäre wirklich extrem pietätlos. Wer noch nach Angehörigen oder Freunden sucht und sich nicht sicher ist, ob sie heil davon gekommen sind, nutzt besser die Hotline der Stadt Duisburg (die hoffentlich inzwischen besser aufgestellt ist): 0203 94000

Update 10: Bin gerade auf ein weiteres Video aufmerksam geworden, welches meiner Meinung nach am ausführlichsten die Vorgänge dokumentiert (den Poser im Video bitte übersehen). Das Video zeigt ebenfalls deutlich, dass sicher nicht abstürzende Menschen Ursache des Unglücks sind, sondern einfach die unglaublichen Massen im Laufe der Zeit solch einen Druck aufbauen, dass die Besucher gegen die Wände etc. gedrückt wurden. Die Leute auf dem Container und der Nottreppe versuchen lediglich, diesem Chaos zu entfliehen. Zumindest ist das mein Eindruck nach der Durchsicht des Videos. Allerdings ist auch erkennbar, dass einige dabei ganz offensichtlich über andere hinweg klettern.

Update 11: Es gibt zwei weitere (jeweils 3teilige) Videos der Vorgänge, welche bei mir inzwischen auch leichte Zweifel an der Version „Massenpanik“ aufkommen lassen. Man sieht ineinander verkeilte Menschenmengen, wieder im Bereich der Treppe. Viele davon versuchen, über die Treppe zu entkommen, wie man schon in den anderen Videos erkennen konnte. Ich vermute inzwischen, dass einfach der Druck der nachströmenden Menschen irgendwann zu groß wurde und letztlich genau das zur Katastrophe führte. Aber genaues wird hoffentlich eine Untersuchung feststellen, auch um solche Tragödien in Zukunft zu verhindern.

In diesem Fall verzichte ich darauf, diese Videos zu posten, da hier zum Teil wiederholt die Opfer und Wiederbelebungsversuche der Hilfskräfte gefilmt wurden und ich denke, dass ich diese Aufnahmen aus Respekt vor den Opfern nicht noch verlinken oder einbinden sollte. Ich habe mir die Videos gebookmarked und denke, dass sie zur Aufklärung sicherlich hilfreich sein könnten, möchte sie hier aber nicht zeigen.

Update 12: Es werden nach wie vor noch über 1000 Menschen vermisst. Das heißt nicht, dass diese Personen noch nicht den Weg nach Hause gefunden haben sondern es handelt sich hierbei um Vermisstmeldungen, die bislang noch ungeklärt sind. Viele dieser Meldungen haben sich sicherlich inzwischen erledigt, werden bei der Polizei allerdings noch als ungeklärt geführt. Aus diesem Grund wird um Rückmeldung gebeten, Details hierzu finden sich im verlinkten Artikel.

Update 13: Adolf Sauerland (noch?) Oberbürgermeister von Duisburg, hat für 16Uhr eine schriftliche Stellungnahme angekündigt, wurde via Twitter von DerWesten gemeldet. Neue Erkenntnisse zu den Vorgängen erwarte ich nicht wirklich, allerdings rechnen viele aktuell mit dem angekündigten Rücktritt.

Update 14: Ein weiterer, recht ausführlicher Augenzeugenbericht.

Die Zahl der Verletzten wurde korrigiert, inzwischen ist von 511 Verletzten die Rede, eine Person schwebt noch in Lebensgefahr.

Update 15: Weitere Berichte verschiedener Augenzeugen.

Update 16: Die Stellungnahme von Sauerland ist nun online. Ein Rücktritt wird aktuell nicht in Betracht gezogen.

Update 17: Nach Informationen von Radio Duisburg erlag eine weitere Person ihren Verletzungen. Damit steigt die Zahl der Opfer auf 20. Und nach wie vor ist es unfassbar für mich.

Update 18: Den Link auf das Geseier von Frau Herman habe ich inzwischen entfernt und stattdessen einen Screenshot verlinkt. Wollte ich eigentlich schon früher machen, nur leider vollkommen verpeilt. Denn solche Ergüsse auch noch mit Links belohnen ist definitiv nicht empfehlenswert. Mehr dazu auch hier. Im übrigen scheint die Meldung zum 20. Todesopfer verfrüht gewesen zu sein. Ich hoffe, dass sie komplett dementiert werden kann.

Update 19: An dieser Stelle möchte ich einen weiteren Augenzeugenbericht verlinken, geschrieben von Julia, die selbst zu den 511 Verletzten gehört.

Ruhr.2010 versucht in der Zwischenzeit, Abstand zwischen sich und die Loveparade zu bringen:

Die Love Parade trägt das Label der Kulturhauptstadt. Veranstaltet wurde sie allerdings in alleiniger Verantwortung der Lopavent in Duisburg. Schon 2007 und 2008 hat diese große Open-Air-Musikparty mehrere hunderttausend Besucher nach Essen und Dortmund gezogen. RUHR.2010 will zeigen, dass die Metropole Ruhr gerade auch für junge Menschen attraktiv ist und hat daher die Love Parade ideell unterstützt.

Liest sich für mich wie: „Wir wollten uns zwar damit schmücken, haben aber nix damit zu tun.“

Update 20: Inzwischen wurde nun die Zahl der Todesopfer leider doch offiziell auf 20 erhöht. Zudem ist nun bekannt, dass die Kölner Polizei die Ermittlungen zu dieser Katastrophe durchführen wird. Im Laufe des Tages wurde bereits bekannt gegeben, dass die Duisburger Polizei die Ermittlungen nicht selbst durchführen wird.

Update 21: FTD berichet, Kritiker an der Veranstaltung wären nicht nur übergangen, sondern zum Teil sogar versetzt worden sein, nachdem sie die Zustimmung zu Loveparade verweigert hätten. Sollten sich hierfür Bestätigungen finden lassen, wird es für einige Personen verdammt eng… Zitat:

Zu den Skeptikern zählte etwa die frühere Leiterin des Duisburger Bauordnungsamtes. Sie soll sich schon im März dieses Jahres geweigert haben, die Genehmigung für das Riesenfest zu unterschreiben. Danach sei sie versetzt worden, erzählen Insider, die aber nicht zitiert werden möchten.

Der ehemalige Polizeipräsident Duisburgs, ebenfalls ein Kritiker der Veranstaltung und des Sicherheitskonzepts, musste offenbar in den Ruhestand, um die Durchführung nicht zu gefährden schreibt SZ.

Update 22: Gerade eben habe ich mir die Reportage von Spiegel TV zum Unglück angesehen. Es hat mich echt erschüttert, selbst gestandene Rettungskräfte so schockiert und fassungslos und den Tränen nahe zu sehen. Angesichts dieser Bilder ist mir noch viel deutlicher bewusst geworden, welches Ausmaß dieses Unglück gehabt haben muss.

Und hier noch ein Screenshot, der die Diskussion um die Schuldfrage auf den Punkt bringt.

Update 23: Auch andere können ähnlichen Dreck absondern wie Eva Herman. Ich werde das Original sicher nicht verlinken, es gibt maximal einen Screenshot. Zynische Fanatiker gibt es wirklich überall, es ist widerwärtig.

Update 24: Allmählich zeichnet sich ein Bild ab, was die Planungen zur Durchführung der Loveparade 2010 in Duisburg angeht. So wurde die Genehmigung zur Durchführung offenbar erst am Morgen vor der Veranstaltung unterschrieben, Bedenken gegen Sicherheitskonzepte wurden vom Tisch gewischt und die Durchführung um jeden Preis durchgesetzt. Die Loveparade musste stattfinden, sie durfte nicht wieder abgesagt werden. OB Sauerland selbst sagte gegenüber RP online:

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte der Oberbürgermeister, ihm seien im Vorfeld der Loveparade keine Warnungen bekanntgeworden. Die Stadt Duisburg habe ihre Aufgabe bei der Prüfung der Veranstaltung „gewissenhaft erfüllt“.

Die FTD spricht davon, dass Grenzen des Zulässigen im Genehmigungsverfahren zumindest gedehnt wurden, wenn nicht Schlimmeres. Schaller hat sich auch zu Wort gemeldet und schildert die Vorgänge aus seiner Sicht.

Update 25: Die in meinen Augen ohnehin wenig glaubwürdige Aussage Sauerlands, ihm seien keine Warnungen und Bedenken bekannt gewesen, scheint möglicherweise bereits widerlegt. Es scheint sich zudem der Verdacht zu bestätigen, dass mit aller Macht eine Durchführbarkeit der Loveparade erreicht werden sollte. Genaueres wird hoffentlich demnächst im Laufe der Ermittlungen bekannt werden.

Update 26: Für Samstag, 31.7. ist eine Trauerfeier für die Opfer des Unglücks geplant. Details hierzu werden noch bekannt gegeben.

Michael Schreckenberg, der am Sicherheitskonzept für die Veranstaltung mitgearbeitet hat, sieht die Schuld am Unglück bei einzelnen Besuchern, die sich nicht an die Spielregeln gehalten hätten. Diese Aussage ist in meinen Augen der größte Schwachsinn in diesem Zusammenhang, denn ein Sicherheitskonzept muss eben exakt das berücksichtigen, sonst verdient es den Namen nicht. Es gibt IMMER einzelne, die sich nicht so verhalten, wie man es sich im Vorfeld ausgerechnet hat. Genau deshalb müssen alle Eventualitäten berücksichtigt werden und im Zweifelsfall großzügiger geplant werden. Dafür sind Sicherheitskonzepte da – für nicht vorhersehbare Situationen.

Interessanterweise beschreiben Rettungskräfte, die vor Ort im Einsatz waren, den Hergang etwas anders als die Verantwortlichen:

Vor einem trichterförmingen Zulauf zum Tunnel, der in das Veranstaltungsgelände führen sollte, stauten sich die zuströmenden Besucher. In der drangvollen Enge brach Panik aus. Erste Personen kollabierten in der Menschenmenge und wurden niedergetrampelt. Beim Fluchtversuch über eine abgesperrte Seitentreppe kamen weitere Teilnehmer zu Tode.

Keine Rede von abstürzenden Menschen, die durch die Stürze zu Tode kamen. Die Beschreibung entspricht auch weitaus eher dem, was man in den Videos erkennen kann.

Update 27: Nun wurde auch offiziell das Märchen wiederlegt, nach dem die Opfer zu Tode gestürzt sind. Das wurde ja seit Samstag immer wieder von den Verantwortlichen erzählt. Fakt ist: Die Opfer wurden ausnahmslos zu Tode gequetscht. Damit bestätigen sich die Eindrücke, die die Videos vermitteln und das entspricht auch den Angaben, die Freunde eines der Opfer machten, die ebenfalls mitten im Chaos standen.

DerWesten veröffentlichte inzwischen eine Kopie des Dokuments (PDF), welches nachweist, dass die Verantwortlichen (inkl. Sauerland) von den starken Bedenken durchaus wussten und gezielt eine Umsetzung erzwungen haben. Zitat:

Herr Rabe stellte in diesem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass hierfür eine Lösung gefunden werden müsse. Die Anforderung der Bauordnung, dass der Veranstalter ein taugliches Konzept vorlegen müsse, ließ er nicht gelten.

Es wird Zeit, dass endlich jemand die Verantwortung übernimmt. Schuldige suchen und den Vorfall aufklären ist Aufgabe der Polizei. Die Verantwortung für das Unglück müssen allerdings andere übernehmen. Mir fallen spontan Namen ein…

Update 28: Niemand will Warnungen gehört haben, Bedenken seien nie geäußert worden. Im Gegenteil sind diese bereits seit Anfang 2009 dokumentiert. Und zu diesem Zeitpunkt war sogar noch wesentlich mehr Platz für die Veranstaltung eingeplant.

Update 29: Leider erlag vergangene Nacht eine weitere Frau ihren schweren Verletzungen, die Zahl der Todesopfer erhöht sich somit auf 21.

Update 30: In der aktuell laufenden Pressekonferenz des Innenministeriums des Landes NRW wird im Augenblick vordergründig die Schuld beim Veranstalter gesehen. Dieser habe entgegen den Zusagen nicht genügend Ordner eingesetzt und zudem den Strom der Besucher nicht im Griff gehabt. Schleusen seien nicht wie vereinbart geschlossen gewesen, zum Teil sogar für einen Krankenwagen erweitert und anschließend nicht wieder geschlossen worden.

Auf die bereits bekannt gewordenen schwerwiegenden Fehler, Versäumnisse und durch Sondergenehmigungen umgangenen gesetzlichen Vorschriften im Vorfeld der Veranstaltung ging bislang keiner der Anwesenden ein, obwohl augenscheinlich genau diese überhaupt erst dazu führten, dass Ordner des Veranstalters die Lage nicht mehr im Griff hatten und die Einsatzkräfte der Polizei zu Hilfe rufen mussten. In meinen Augen wird (zumindest aktuell) in der Pressekonferenz noch sehr einseitig ausschließlich auf Seiten des Veranstalters nach Fehlern gesucht. Ich denke, die Dokumentation der Vorgänge (unter anderen auch in diesem Beitrag hier) zeichnet ein etwas anderes Bild, wenn ich damit nun auch keinesfalls den Veranstalter in Schutz nehmen möchte.

Polizeiinspekteur Wehe war bei der Beschreibung der Vorgänge sichtlich den Tränen nahe und sehr erschüttert.

Ergänzung: Die Stadtverwaltung als genehmigte Behörde wurde im weiteren Verlauf der Pressekonferenz ebenfalls scharf kritisiert.

Update 31: Eine sehr gute Analyse der Ergebnisse der heutigen Pressekonferenz (inkl. persönlicher Wertungen) gibt es beim Spiegelfechter zu lesen. Bei Twitter werden aktuell Meldungen verbreitet, die von einer Verhaftung Schallers und einer Beschlagnahme des Vermögens der McFit-Kette sprechen, eine Bestätigung dieser Meldungen steht aktuell jedoch noch aus. Ich tippe auf eine Ente.

Update 32: Die Meldung von Schallers Verhaftung entpuppt sich wie erwartet als Ente. Inzwischen werden weiter Gerüchte via Twitter verbreitet, unter anderem „Sensationsmeldungen“ von mindestens 2 weiteren bereits hirntoten Personen. Die genannte „sichere Quelle“ scheint hier ein anonymer Kommentar bei Wiebold TV zu sein.

Würde Ihnen aber gerne ein wenig weiter helfen.
Ich weiß aus sicherer Quelle das Im BGU in Duisburg noch 2 PAtienten mit bestätigtem Hirntod liegen, und 2 PAtienten die einen Querschnitt seit der Loveparade haben.

Vielleicht ist die besagte Schwangere ja dabei…???
Es wird echt Zeit das man jemandem dafür in den Arsch tritt und nicht noch alles verheimlicht!

ES werden leider noch mehr Verluste dazu kommen.

Ich kann ja durchaus nachvollziehen, dass nach wie vor jede neue Information aufgesogen wird und ruck zuck scheinbare Sensationsmeldungen bei Twitter retweetet werden. Aber es hilft niemandem, Unsinn zu verbreiten und auch ich warte in der Regel ab, bis offizielle Informationen vorliegen, bevor ich ein Gerücht poste (mit obiger Ausnahme, in der ich bereits auf meine Vermutung, es könnte sich um eine Ente handeln, verwies). Es ist keine Zeit für Spekulationen und Sensationsgier, das hilft weder den Opfern noch der Aufklärung.

Update 33: Aktuell (seit 10Uhr) findet vor dem Duisburger Rathaus eine Demonstration statt, die Demonstranten fordern den Rücktritt Sauerlands. Dieser hat in letzten Interviews gesagt, er persönlich hätte keine einzige Genehmigung unterschrieben, was für mich durchaus sehr zynisch klingt.

Update 34: Ich möchte 2 weitere Videos einbinden, die noch einmal sehr gut die Chronologie der Ereignisse am 24.7. dokumentieren.

http://www.youtube.com/watch?v=vmwIb421hkQ

Das Original-Video ist an diesem Punkt noch nicht zu Ende, mehr möchte ich aus verständlichen Gründen hier aber nicht einbinden.

Update 35: Der deutsche Beamtenbund kritisiert, dass im Vorfeld der Loveparade städtische Mitarbeiter im Genehmigungsverfahren von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt wurden, wie bereits öffentlich gewordene Dokumente beweisen. Auf diese Weise wurde erreicht, dass Sicherheitsbedenken fallen gelassen oder ignoriert wurden.

Update 36: Man darf inzwischen davon ausgehen, dass die genannten 1,4 Mio Besucher in Duisburg nicht den Tatsachen entsprachen, auch zuvor in Essen und Dortmund wurden die Zahlen bereits „schön gerechnet“. Es wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach erwähnt und vermutet, nun scheint es bewiesen.

Update 37 (31.07.2010 11Uhr): Jetzt beginnt die Trauerfeier für die Opfer in Duisburg. Live im TV. Ich werde es mir nicht ansehen.

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Mein Beitrag zur Gesundheitsreform

Alle paar Jahre erleben wir hierzulande regelmäßig eine Aktion der jeweiligen Regierung, die von den Tätern gern als „Gesundheitsreform“ bezeichnet wird. Sobald das Thema wieder einmal auf den Tisch kommt, weiß allerdings bereits vorab eigentlich jeder, worauf es hinaus laufen wird: Leistungen werden gekürzt und Beiträge werden erhöht.

So auch (selbstverständlich) in der aktuellen „Gesundheitsreform“. Die Beiträge werden von 14,9 auf 15,5% erhöht. Zudem können Krankenkassen die Zusatzbeiträge, die bislang maximal 1% des Bruttoeinkommens betragen durften, nun frei festlegen, eine Deckelung gibt es nicht mehr. Sollten diese Zusatzbeiträge über 2% des Bruttoeinkommens betragen, soll irgend eine steuerliche Erleichterung erfunden werden, Details hierzu gibt es allerdings noch keine.

Wer sich fragt, was diese Zusatzbeiträge sollen, wird schnell dahinter kommen, wenn er sich die Aufteilung der Beiträge anschaut: die 15,5% Beitrag werden sowohl vom Arbeitgeber (8,2%) als auch vom Arbeitnehmer (7,3%) getragen. Zusatzbeiträge allerdings gehen allein zu Lasten des Versicherten. Bevor also eine Erhöhung der eigentlichen Beiträge erforderlich wäre (was Versicherte und Wirtschaft gleichermaßen belastet), können die Krankenversicherungen nun erst einmal durch Zusatzbeiträge die Versicherten selbst zur Kasse bitten. Der zu erwartende Widerstand dürfte also weitaus geringer ausfallen…

Die so genannte „Gesundheitsreform“ geht selbstverständlich wieder einmal mit Leistungskürzungen einher, aktuell ist bekannt, dass homöopathische Behandlungen und Medikamente am besten nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden sollen. Über Sinn und Unsinn von Homöopathie wird nach wie vor energisch gestritten, letztlich scheint mir das in erster Linie eine religiös ausgeprägte Diskussion zu sein. Einsparungspotential dieser Maßnahme? Unbekannt. Von ein paar Millionen Euro ist die Rede, genaue Zahlen konnte ich leider nicht finden.

Überhaupt ist es schwierig, echte und aktuelle Zahlen zu finden. Mich persönlich interessierte zum Beispiel mal, wie viel die Krankenkassen in Deutschland einnehmen und wofür das Geld ausgegeben wird. Eine Quelle konnte ich aufstöbern, allerdings nur Zahlen bis zum Jahr 2007 finden. Nachfolgend mal ein Screenshot.

Was mir als erstes aufgefallen ist: Die Verwaltungskosten der Krankenkassen machen den viert größten Posten aus (8,13 Mrd. Euro in 2007). An erster Stelle stehen die Krankenhausbehandlungen, gefolgt von den Ausgaben für Medikamente. Und gerade Punkt 2 bietet eine Menge Einsparungspotential, auf die ausufernden Kosten bei den Arzneimitteln wird schon seit Jahren hingewiesen. Da wäre zum Beispiel die Frage, weshalb für Medikamente im Gegensatz zu Lebensmitteln nicht 7 sondern 19% Mehrwertsteuer abzuführen sind. Einsparungspotential 2,5-3Mrd. Euro jährlich. Jedenfalls für die Krankenkassen.

Einsparungspotential gibt es hier aber auch in anderer Hinsicht: Medikamente sind in Deutschland in der Regel wesentlich teurer als beispielsweise im europäischen Ausland. In manchen Fällen wird sogar von 2-3fachen Preisen gesprochen, was sicher nicht die Regel ist, aber oft vorkommt. Die auffallend höheren Preise in Deutschland sind darauf zurück zu führen, dass die Pharmaunternehmen die Preise für ihre Produkte hierzulande frei festlegen können, was in anderen Ländern so nicht möglich ist. Als Änderungsvorschlag ist im Gespräch, hier Verhandlungen zwischen Kassen und Pharmaunternehmen vorzuschreiben und eine freie Preisgestaltung nur dann zu gestatten, wenn die Verhandlungen scheitern. Wer glaubt daran, dass unter solch einem Vorzeichen erfolgreiche Verhandlungen möglich sind, hm?

Verschiedentlich ist auch zu lesen, dass die Verschlechterung der finanziellen Situation der Krankenkassen (die im Jahr 2009 1,4 Mrd. Euro Überschüsse erwirtschaftet haben) vordergründig auf schlichte Preiserhöhungen zurück zu führen seien. Von 6 Mrd. Euro in 6 Monaten ist die Rede (wofür ich aber keine belastbaren Zahlen finden konnte).

Fakt ist: Das Gesundheitswesen ist ein Selbstbedienungsladen, die Kosten dafür zahlen wir. Die Qualität (und auch der Umfang) dessen, was man für die zu zahlenden Beiträge erwarten kann, sinkt seit Jahren beständig, die Preise hingegen steigen unaufhörlich. Medikamentenzuzahlungen, Praxisgebühr, Zusatzgebühren… ein Ende ist nicht in Sicht. Es gäbe verdammt viele Punkte, an denen man ansetzen könnte (von denen ich hier nur ein paar genannt habe), wenn man es denn tatsächlich wollte. Dann käme vielleicht auch tatsächlich mal so etwas wie eine Reform dabei heraus.

Das, was jetzt „Gesundheitsreform“ genannt wird, ist hingegen nicht einmal ein Reförmchen. Es ist, um es mal ganz nett und vorsichtig zu formulieren, Verarsche.

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Die Stadien der Fußball WM in Google Earth

Dafür, dass ich mich wirklich überhaupt nicht für die Fußball WM interessiere, ist ein 2. Blogeintrag zum Thema tatsächlich erstaunlich. Aber irgendwie kommt man an diesem Thema ja doch nicht vorbei, insofern möchte ich einfach mal auf eine recht nette Präsentation der World Cup Stadien aufmerksam machen.

Mit Google Earth könnt Ihr euch auf einer virtuellen Rundreise die Stadien der Fußball WM 2010 in Südafrika anschauen. Ihr benötigt dazu Google Earth 5 und das passende KMZ-File. Wenn Ihr Google Earth bereits installiert habt, einfach auf „Open in Google Earth“ klicken und die Rundreise genießen. Zum Teil dauert es etwas länger, bis wirklich alle Daten der 3D-Modelle geladen sind, daher wird wohl erst beim 2. Mal wirklich auf Anhieb jedes Stadion zu sehen sein. Ihr solltet allerdings nicht vergessen, den Layer „3D Gebäude“ zu aktivieren, sonst sind die Stadien recht platt…

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