Wird alles gut bei StudiVZ?

Den gestrigen Abend (nein…eigentlich die letzte Nacht) habe ich damit verbracht, Unmengen an Blogeinträgen und Kommentaren zum Thema StudiVZ zu lesen. Mein Ziel war, eine Zusammenfassung der Vorgänge und Vorfälle zu schreiben, möglichst frei von Emotionen. Aber erstens war ich irgendwann viel zu müde dafür und zweitens hat dies bereits ein anderer getan, auf den ich an dieser Stelle verlinken möchte.

Robert listet das Thema StudiVZ in einer Übersicht der Top Blog-Skandale. Ich bin mir nicht sicher, ob „Blog-Skandal“ die richtige Bezeichnung für diese Geschichte ist. Sicher, die Lücken und Vorkommnisse wurden von Bloggern entdeckt oder zumindest veröffentlicht. Fakt ist jedoch, dass die Betreiber von StudiVZ seit Monaten (mindestens seit August 06) informiert waren. Es gab Gespräche, in denen auf die nun öffentlich bekannten Lücken und Verstöße gegen den Datenschutz aufmerksam gemacht wurde. Schulterzucken war da definitiv die falsche Antwort. Und ganz sicher sind in so einem Fall andere Maßnahmen angebracht, als sich in der Presse als neuer Star der New Economy feiern zu lassen. Richtig wäre gewesen, konsequent die seit langem bekannten Probleme zu lösen und so lange noch ein wenig kürzer zu treten.

StudiVZ krankt daran, dass es auf augenscheinlich mit heisser Nadel gestricktem Code basiert. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es den Machern in erster Linie daran gelegen war, möglichst schnell sämtliche Funktionen des „Vorbilds“ Facebook zu implementieren und an den Start zu kommen, bevor es ein anderer tut. So etwas rächt sich, wenn die Nutzerzahlen tatsächlich so explodieren, wie man es sich in seinen feuchten Träumen vor dem Start ausgemalt hat. Ob die genannten Zahlen in Höhe von 1 Mio. Nutzern so stimmen, sei einmal dahingestellt, aber allein die Stabilitätsprobleme zeigen, dass der Code nicht darauf ausgelegt ist, mit einer großen Zahl von Nutzern zurecht zu kommen. Von den ganzen Löchern mal ganz zu schweigen…

Was wäre nun ein gangbarer Weg? Meines Erachtens nach sollte man sich ganz fix 2-3 Leute heranholen, die Erfahrung mit wirklich großen Systemen haben. Und dann für einige Zeit die Server vom Netz nehmen und einmal gründlich aufräumen. Inklusive vernünftiger Informationspolitik, Beiträge wie „Alles wird gut“ im StudiVZ-Blog sind definitiv nicht geeignet. Die Verärgerung der meisten Nutzer darüber ist auch nur zu deutlich aus den Kommentaren heraus zu lesen. Und für mich nachvollziehbar.

Nun, ich bin neugierig, ob StudiVZ das Ruder nun herumreißen kann. Oder ob man sicher weiter auf der tollen „Idee“ ausruhen wird…

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  • Ich vermute(jede Menge): Die Gründer haben gesehen, wie gut Facebook in den USA läuft. Sie erinnerten sich an den Quickflip Alando-EBay. Das Ding wurde dann ganz fix für Deutschland kloniert, um den schnellen Euro zu machen. Wegen des Tempos ist der Code dahinter nicht so dolle (aber er läuft.) Man hoffte durch den Anschein einer studentischen Garagenfirma , Nachsicht bei den Usern zu finden, wenn das System überlastet war.

    Warnungen zu Sicherheit und Lücken bei der Privatsphäre wurden ignoriert, weil man hoffte, bis dahin das Ding verkauft zu haben. Der Aufwand das alles zu fixen wäre nicht im Verhältnis zum baldigen Verkauf gestanden.

    Womit nicht gerechnet wurde: Unsensibilität, Eitelkeit und Größenwahn eines Gründers, mit daraus resultierender Aufmerksamtkeit und den bekannten Folgen…